Meisterschaft NLA: Der vierte Rang ist eine (zu) magere Ausbeute

Dienstag, 06. April 2010; 15:50

Meisterschaft NLA: Der vierte Rang ist eine (zu) magere Ausbeute

Von: Rolando K. Küng

Mit der 3:0-Niederlage im zweiten Playoff-Spiel gegen Lausanne UC beschliesst SEAT Volley Näfels seine Saison. Der vierte Platz ist nicht befriedigend. Vor allem hat das Team nicht das Beste aus seinen Möglichkeiten herausgeholt.

Bild: rkk - Dieser Shakehand soll auf keinen Fall den Abschied bedeuten. Symbolisch ist er das Dankeschön an Trainer Polak für die gezeigte Leistung



Alles Jammern nützt nun nichts mehr. Die Saison ist gelaufen, der vierte Rang das Resultat. Damit stehen die Näfelser Volleyballer zwar einen Rang weiter oben als letztes Jahr. Trotzdem ist das ein schlechter Trost und auch überhaupt nicht, was man nach dem Sieg in der ersten Hälfte der Meisterschaft von Volley Näfels erwartet hatte.

Just als die meisten andern Teams noch leicht zusetzen konnten, begannen die Glarner damit ihre Leistung abzubauen. So nützte zuletzt der ganze gute Start des Herbstes mit zwei aufeinanderfolgenden Auswärtssiegen gegen Volley Amriswil (in Meisterschaft und Cup) im Dezember überhaupt nichts mehr. Hat der Verlauf der ganzen Meisterschaft noch und noch bestätigt, dass die vier Spitzenteams äusserst ausgeglichen sind, konnte ausgerechnet die Polak-Truppe auf der Zielgeraden nicht mehr davon profitieren.


Zeit für die Bilanz

Nun geht es darum, die ganze Saison noch einmal zu analysieren und den Hebel oder den Rotstift dort anzusetzen, wo es nötig ist. Dabei ist die Kluft zwischen Wunsch und Notwendigkeit, den finanziellen Möglichkeiten gehorchend, halt doch sehr breit, was den Frust für das Management bestimmt nicht kleiner werden lässt.

Es wog schwer, dass die Mannschaft in wichtigen Spielen nicht von einem Profi gecoacht wurde. Es wog ebenfalls schwer, dass Gustavo Meyer daran ist, beruflich ebenfalls in der Schweiz Fuss zu fassen, dadurch aber seinen Focus zu sehr von Volley Näfels wegbewegte. Und die alte Frage des Passeurs stellte sich spätestens dann wieder, als Marco Gygli wegen einer Verletzung pausieren musste. Ivan Bedrac wurde seiner Position als zweiter Passeur durchaus gerecht, spielte aber in den entscheidenden Partien wieder viel zu durchsichtig und berechenbar. Auch Altmeister Polak lieferte als Diagonalspieler nicht nur brillante Partien ab und das wenige was man von Rafa Zurgilgen sah, war nicht überzeugend. Deshalb sah man es auch so wenig - er war die meiste Zeit Ersatzspieler. Positiv im Vergleich zu anderen Jahren konnten sich die Spieler in der Mitte in Szene setzen. Oft im Angriff zu wenig eingesetzt, verrichteten sie aber meist gute Blockarbeit und wurden wenigstens von Verletzungen verschont. Fabian Brander schöpft sein Potenzial noch immer bei weitem nicht aus, es wird aber langsam Zeit, dass er wirklich zeigt wie gut er effektiv sein könnte. Mario Teppert wurde mit jedem Spiel etwas blasser und bleicher obwohl sein Einstand gegen Chênois noch sehr gut gewesen war. Libero Werner war ebenfalls recht grossen Schwankungen unterworfen und zeigte alles  zwischen Kreis- und Weltklasse über die ganze Saison gesehen.



Jetzt nur kein Harakiri

Will man aber den vor Jahren eingeschlagenen Weg einer soliden und auch gesunden Finanzlage im Klub nicht durch Harakiri-Abenteuer verlassen, so darf man auch für die nächste Saison absolut keine Wunder erwarten. Diejenigen welche solche Wunder einem Zauberer gleich, sozusagen aus dem Ärmel zogen, leiden heute noch darunter - selbst Jahre danach.

Ohne mehr Werbegelder kein höheres Niveau und ohne dieses Niveau irgendwo in der Nähe der europäischen Spitze, auch weiterhin kein Interesse an TV-Übertragungen von Volleyballspielen. Diese Dynamik beisst sich in den Schwanz und wird von Verbandseite mit der beschlossenen Aufstockung auf zehn NLA-Mannschaften ab Saison 2011/12 noch gestärkt.



Absturz des Hallenvolleyballs

So ist das Hallenvolleyball, mindestens bei den Herren und dies gilt natürlich (leider) auch für Volley Näfels, dazu verurteilt, auch in den nächsten Jahren niveaumässig eine bescheidene Rolle zu spielen. Der Verdacht kommt auf, dass damit bewusst bei dieser gesteuerten Nivellierung nach unten in Zukunft die besten Schweizer Volleyballer ganz automatisch als Profis auf der World Tour im Beach Volleyball landen. Schliesslich hat ja Swiss Volley mit dem Trainingscenter für Beach Volleyball in Bern beste Bedingungen dafür geschaffen und dabei auch keine Kosten gescheut.



Alles fürs Beach Volleyball?

Wenn dieser Entscheid in Zukunft das Beach Volleyball wieder dorthin zurückbringt wo es noch vor wenigen Jahren stand, wäre wenigstens ein Teil der ungeeigneten Massnahmen zu Ungunsten des Hallenvolleyballs damit wieder getilgt. Wer aber die Szene im internationalen Beach Volleyball verfolgt, der sieht oder befürchtet es zumindest, dass die Zeiten mit drei Top-Ten-Teams bei den Herren für längere Zeit, wenn nicht gar für immer und ewig vorbei sein werden. Da ist die Leistungsdichte in andern und viel grösseren Ländern ganz einfach zu hoch und der internationale Verband tut viel dafür, diesen Sport weltweit zu verbreiten und das Niveau überall anzuheben. Ausserdem war es mit neuen Sportarten noch oft so, dass die Schweizer Sportler, solange ein Sport noch relativ jung war,  zuerst ganz oben an der Spitze anzutreffen waren. Mit zunehmender Verbreitung und gestiegenem Niveau die Spitzenathleten aus unserem Land aber nach den Anfangserfolgen bald nicht mehr mit der Spitze mithalten konnten.

So wäre es also dopppelt schade und unverständlich, wenn das ohnehin schon eher bescheidene Niveau im Hallenvolleyball à tout prix dem Beach Volleyball geopfert würde und sich in einigen Jahren herausstellen sollte, dass auch Beach Volleyball zu einer Weltsportart aufsteigt und in solchen Schweizer Sportler nur noch durch absolute Ausnahmetalente an der Spitze vertreten sind. Die Entwicklung läuft aber genau dahin, deshalb ist der Entscheid von Swiss Volley umso unverständlicher.


Präsident Klaus Görauch meint:

Seit zwei Jahren steigern wir uns jedes Jahr um einen Rang in der Schlussrangliste. Dass wir gegen LUC die Bronzemedaille verloren haben war symptomatisch für die ganze Saison. Starker Beginn, schwaches Finish.

Die Jungs hatten die ganze Woche sehr intensiv trainiert und gingen guten Mutes an dieses Spiel heran. Sie wollten auch wirklich gewinnen und begannen gut. Doch dann drehte das Spiel wieder wie so oft und mit zwei knappen und einer klaren Satzniederlage musste die Mannschaft das frühzeitige Saisonende hinnehmen. Meine Hoffnung für die nächste Saison: Mit einem verbesserten Coaching wird vieles besser. Mein Frust: Leistungsträger Gustavo Meyer brachte die erwartete Leistung nicht. Positive Erkenntnis: Trainer Dalibor Polak war für uns als Spieler, Trainer und Mensch ein grosser Gewinn.